Yoga-Irrtümer #3: Asanas als Standardrezept

Yoga-Irrtümer #3: Asanas als Standardrezept

Wir Menschen mögen es gerne einfach. Aber wir sind viel zu komplexe Wesen für Standardlösungen. Um mit Yoga unsere Gesundheit positiv beeinflussen zu können, sollten wir einen Weg wählen, der unsere Individualität berücksichtigt und wertschätzt.

Zahlreiche Menschen kommen zum Yoga, weil sie von ihrem Arzt oder einem Bekannten erfahren haben, dass die Praxis viele Beschwerden lindern und den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern kann. Unzählige Studien und langjährige Erfahrungen geben ihnen recht: Bei Rückenschmerzen, bei Verdauungs- und Schlafstörungen, bei vielen psychischen Themen und Stresserkrankungen hat sich Yoga als wirksame Maßnahme erwiesen.

Eine Asana für alle?

Leider gibt es aber fundamentale Missverständnisse, wenn es um darum geht, Yoga therapeutisch einzusetzen. Allzu oft findet man in Magazinen, Blogs oder Büchern, Standardrezepte, die angeblich gegen dieses oder jenes helfen: Da wird der Schulterstand bei Schilddrüsenproblemen empfohlen, die Vorbeuge bei Migräne, der Kopfstand gegen Allergien oder die Kindhaltung bei Depressionen. In der Beschreibung eines Yogabuches heißt es: „Haben Sie Kopfschmerzen? Höhenangst? Oder eine Erkältung? Es gibt für alles eine Yoga-Lösung.“

Ich möchte nicht widersprechen, dass Yoga bei fast jedem Thema unterstützend wirken kann. Aber Yoga ist kein Allheilmittel und bewirkt keine Wunder. Ein Yogalehrer soll und muss seine Grenzen kennen, z.B. gerade bei psychischen Erkrankungen. Und was es ganz bestimmt nicht gibt, sind Standardrezepte, die für jeden das Richtige sind.

Yoga wirkt individuell & ganzheitlich

Es gibt nicht die Asana gegen diese oder jene Krankheit oder Beschwerde. Es ist gerade das Besondere dieser jahrtausendealten Praxis, dass sie jeden Menschen mit einem ganzheitlichen Blick betrachtet und nach dem ganz individuellen Gleichgewicht sucht. Bevor wir wissen, welche Übung hilfreich sein könnte, müssen wir ganz genau hinsehen, was dieser Körper, diese Seele gerade brauchen.

Jemand hat Schmerzen im unteren Rücken? Nun, ein Bandscheibenvorfall kann hier genauso das Problem sein wie ein Arbeitsplatz, an dem täglich schwere Lasten getragen werden müssen, oder eine Beziehung, die gerade in die Brüche geht. Ein Schüler klagt über depressive Verstimmungen? Leidet der Betroffene eher unter dem Gedankenkarussell, das sich unaufhörlich dreht, unter lähmender Trägheit oder Sinnlosigkeitsgefühlen? Für den einen können stimmungsaufhellende Atemübungen hilfreich sein, für den anderen eine eher passive Yin Yoga-Praxis. So unterschiedlich wie die Ursachen und Beschwerden müssen auch die Lösungsansätze sein. Wir Menschen sind einzigartig und brauchen unsere ganz individuelle „Medizin“.

Finde dein Yoga

Ich kann dir also nur empfehlen, dich vor oberflächlichen Standardrezepten gegen dieses oder jenes fernzuhalten. Wenn du mit Yoga etwas gegen bestimmte Beschwerden tun oder ihnen vorbeugen möchtest, dann solltest du dir einen wirklich kompetenten, erfahrenen Yogalehrer oder –therapeuten suchen, der zunächst genau nachfragt und dann mit dir eine individuelle Übungspraxis erarbeitet. Er wird dich auch bei der Wahl der richtigen Hilfsmittel unterstützen. So kann sich die heilsame Kraft des Yoga voll entfalten und dir zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensfreude verhelfen.

Melanie

von Melanie

Melanie ist freie Journalistin und Yogalehrerin mit Schwerpunkt Achtsamkeit und Yogatherapie in Salzburg. Ihr großes Interesse für Psychologie, Trauma-/Körpertherapie, Buddhismus sowie ihre unendliche Neugier auf Menschen und das Leben prägen ihren Unterricht und ihre Arbeit als Schreibende. www.derachtsameweg.com

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