Mantra-Meditation lernen – eine Anleitung

Es gibt unzählige Arten zu meditieren. Gehmeditation, Atemmeditation, Objektmeditation und die Meditation mit einem Mantra. Welche Art der Meditationspraxis die richtige für dich ist, hängt ganz von deiner Persönlichkeit ab und kann sich mit der Zeit je nach Lebenssituation oder emotionaler Verfassung verändern.

Mantra-Meditation

Als ich mit meiner morgendlichen Meditation begonnen habe, ist mir eine simple Atemmeditation am leichtesten gefallen und ich habe diese Praxis über einen langen Zeitraum verfolgt. Irgendwann bin ich durch Yoga & Ayurveda auf die tiefere Bedeutung und Kraft der verschiedenen Mantras aufmerksam geworden. Nun integriere ich diese gern tagesformabhängig in meine Meditation oder als bewusste Pause in meinen Alltag.

Falls du dich bisher noch nicht mit Mantras beschäftigt hast, lohnt es sich, diese einmal genauer zu betrachten. Ein Mantra kann dir helfen den Fokus während deiner Meditation zu halten und gibt dem Geist eine sinnvolle Aufgabe. Dies ist gerade zu Beginn deiner Meditationspraxis eine hilfreiche Unterstützung.

Was ist ein Mantra?

Das Wort „Mantra“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Spruch, Lied oder Hymne. Im traditionellen Sinne handelt es sich dabei um eine heilige und höchst wirkungsvolle Silbe, ein Wort oder einen ganzen Vers. Ein Mantra kann spirituelle Kraft transportieren und sich durch das vielfache Rezitieren im physischen Dasein manifestieren. Du kannst es wie ein Gebet stumm im Geist wiederholen, flüsternd vor dich hinsagen, laut vortragen oder auch singen.

In der Tradition des Yoga, des Ayurveda, im Hinduismus, Buddhismus und in unzähligen fernöstlichen Traditionen, Glaubensrichtungen und Heilsystemen machen Mantras einen festen Bestandteil der Praxis aus. Viele Mantras wurden über die Jahre übertragen und haben heute noch einen hohen Stellenwert und besitzen dieselbe Aktualität. Im moderneren Sinne können Mantras auch als eine Art Leit- oder Sinnspruch verstanden werden, die wichtige Kernaussagen, Wünsche oder positive Glaubenssätze beinhalten.

Was für Mantras gibt es?

Es gibt alte traditionelle Mantras und neue moderne Mantras. Grundsätzlich kann jede Silbe, jedes Wort, jeder Vers oder Satz, der für dich gerade stimmig erscheint und mit dir resoniert als ein persönliches Mantra verwendet werden. Im folgenden möchte ich dir einige weit verbreitete Mantras, die im Yoga Verwendung finden, vorstellen.

OM

Bei dem Klang OM, der eigentlich aus den drei Lauten A-U-M besteht, handelt es sich um eine heilige Silbe, die dem Urklang entspricht und aus dessen Vibration das gesamte Universum entstanden sein soll. Häufig steht es auch symbolisch für die Weltseele. Der Klang OM ist in vielen verschiedenen Glaubensrichtungen und Philosophien fest verankert. Im Hinduismus gilt es als das heiligste aller Mantras. Daher ist dieser Klang auch in vielen mehrsilbigen Mantras enthalten.

SO HAM – I AM THAT – ICH BIN (DAS)

Dieses Mantra ist an keine Religion oder Gottesvorstellung geknüpft und bedeutet ganz simpel “Ich bin (das)” oder im Englischen “I am that”. Dieses Mantra lässt sich sehr gut mit der Ein- und Ausatmung verknüpfen (Einatmung SO, Ausatmung HAM). Das Mantra wirkt beruhigend, hilft dir dich auf den aktuellen  Moment zu konzentrieren und zu verinnerlichen, dass du genau so, wie du gerade bist, vollkommen bist.

OM NAMAH SHIVAYA – ICH VERBEUGE MICH VOR SHIVA

Bei diesem Mantra handelt es sich um ein sehr bekanntes Mantra aus dem Hinduismus und dem Shivaismus. Es bedeutet soviel wie „Ich verbeuge mich vor Shiva“. Damit ist nicht unbedingt Shiva als externe Gottheit gemeint, sondern meist steht Shiva symbolisch für das Göttliche in uns selbst. Mit diesem Mantra wird der inneren Weisheit und Göttlichkeit gedacht, die wir alle in uns tragen.

LOKAH SAMASTAH SUKHINO BHAVANTU – MÖGEN ALLE LEBEWESEN FREI UND GLÜCKLICH SEIN UND MÖGE ICH MIT MEINEN GEDANKEN, WORTEN UND HANDLUNGEN  AUF BESTMÖGLICHE WEISE DAZU BEITRAGEN

In diesem Mantra wird eine grosse Grundphilosophie des Yoga deutlich: Wir sind alle eins und wir sind alle miteinander verbunden. Dieses Mantra erinnert daran, dass wir durch unsere Worte und Taten zum Gemeinwohl beitragen können und verdeutlicht, wie wichtig Achtsamkeit und Mitgefühl sind.

Wie lerne ich am besten die Mantra-Meditation?

Suche dir zunächst ein Mantra aus, welches gerade gut zu dir und deiner aktuellen Lebenssituation passt. Du kannst dir natürlich auch dein eigenes Mantra kreieren. Du kannst zum Beispiel „Ich bin ….“ nutzen und eine wichtige Eigenschaft oder einen Zustand, den du dir wünschst, am Ende ergänzen. Vielleicht lautet dein Mantra dann “Ich bin glücklich”. Wichtig ist, dass du in der Gegenwart bleibst, denn so suggeriert dein Gehirn deinem Körpers bei der Rezitation, dass dieser Zustand aktuell gegenwärtig ist und schüttet Botenstoffe aus. Es versetzt dich innerlich durch die Kraft deiner Gedanken in diesen Zustand.

Wenn du ein Mantra auf Sanskrit wählst, stelle sicher, dass du den Inhalt verstehst, denn nur so kann sich die komplette Wirkung entfalten. Hast du ein längeres und komplexes Mantra gewählt, kannst du dies unterstützend  im Hintergrund leise mitlaufen lassen, damit du dich trotzdem entspannt auf das Mantra konzentrieren kannst ohne dich zu sehr auf jede einzelne Silbe konzentrieren zu müssen.

Suche dir nun einen ungestörten und ruhigen Platz, an dem du dich wohl fühlst. Stelle sicher, dass du für die Zeit deiner Meditation ungestört bleibst. Setze dich in einer bequemen Sitzhaltung hin und beginne deine Meditationspraxis mit einer kurzen Intention. Dies hilft dir deinen Fokus für die Meditationspraxis ganz klar zu setzen und erzeugt die richtige Atmosphäre. Beobachte nun für einige Momente deine Atmung. Lass sie einfach frei fliessen ohne sie kontrollieren zu wollen. Beobachte, wie deine Atemzüge nach und nach ruhiger werden und dein Körper sich entspannt.

Beginne nun mit der Rezitation deines Mantras. Ob du dies im Stillen tust, mit der Atmung korrelierst, es leise vor dich hin murmelst oder lieber singst, ist ganz dir selbst überlassen. Mach einfach das, was sich am besten und natürlichsten für dich anfühlt. Meditiere so lange du möchtest. Du kannst dir entweder über einen Timer eine Mediationsdauer setzen oder diese unlimitiert durchführen.

Beende deine Praxis mit ein paar tiefen Atemzügen und wiederhole deine Intention noch einmal oder sprich deinen innerlichen Dank für all die wunderbaren Menschen, Zustände und Dinge, die du in deinem Leben hast, aus. Wenn du schon eine eigene Meditationspraxis für dich entwickelt hast, dann integriere das Mantra so, wie es für dich stimmig erscheint.